So trainierst du die Beißhemmung beim Welpen

 

Die Beißhemmung ist eins der wichtigsten Dinge, die dein Hund lernen muss – und das am Besten so früh wie möglich. Denn wenn dein Welpe lernt, dass er mit “schnappen” bzw. “beißen” Erfolg hat, dann wird es schwierig, dies einem ausgewachsenen Hund abzugewöhnen. Schnell wird ein Schnappen im Alltag belohnt, z.B.  ein Kind hält deinem Hund ein Leckerli in geschlossener Hand vor seine Nase, dein Hund schnappt dem Kind in die Hand, automatisch öffnet das Kind die Hand und dein Hund frisst das Leckerli – eine Belohnung für unerwünschtes Verhalten. 

Deshalb ist es wichtig, dass dein Welpe gar nicht erst die Strategie “mit schnappen” komme ich zu meinem Ziel, entwickelt.

Vor dem Training

Wichtig ist, dass dein Hund genügend Spielsachen hat, in die er schnappen, beißen und mit denen er herumzerren kann. Außerdem sollte er Kauknochen haben, in die er, gerade beim Zahnen, kauen kann.

Management bei Welpen

Welpe schnappt ins Hosenbein

Jedesmal wenn dein Welpe in deine Haut oder in deine Klamotten schnappt, ist dies eine Belohnung für ihn. Denn: es macht Spaß und er bekommt Aufmerksamkeit von dir. Z.B. dein Welpe schnappt in dein Hosenbein.  1. Dein Welpe spielt ein kurzes Zerrspiel mit deinem Hosenbein, außerdem drehst du dich zu ihm hin, so dass er auch noch deine Aufmerksamkeit bekommt (egal ob du ihn dabei anschreist oder streichelst). Deshalb ist es wichtig, den Alltag vorausschauend zu gestalten, dass dein Welpe nur noch in die Dinge beißt, in die er darf. Das Hosenschnappen kannst du z.B. verhindern, wenn du in der ersten Zeit “Hausgummistiefel” trägst, da macht es keinen Spaß hineinzubeißen.

Die wilden 5 Minuten von Welpen

Fast jeder Welpe bekommt einmal täglich seine “fünf Minuten”, rast wie von der Tarantel gestochen durchs Zimmer, über Sofa und durch den Garten. Ich konnte bei meiner Hündin Peanut die Uhr danach stellen, um 20 Uhr ging es los. Das ist nicht die richtige Zeit für´s Training, sondern hier ist ein managen der Situation angebracht. Denn dein Welpe ist viel zu überdreht, um sich auf eine Übung zu konzentrieren. Wenn du etwas in den “wilden 5 Minuten” trainieren möchtest, dann wäre z.B. der Rückruf  geeignet. Denn da wollen wir ein “schnelles angerannt” kommen. Also lasse deinen Welpen entweder einfach laufen und bring dich in Sicherheit oder aber sperre deinen Hund für die Zeit hinter ein Absperrgitter.

Welpen und Kleinkinder, bzw. ältere Hunde

Bei Kleinkinder oder anderen betroffenen Haustieren empfehle ich eine Hausleine. Eine ca. 2 Meter lange dünne Leine, die im Haus am Geschirr von deinem Hund befestigt ist. Läuft dein Hund auf das Kind zu, hälst du die Leine fest und lässt diese erst wieder los, wenn dein Welpe sich entspannt hinlegt oder in eine andere Richtung (weg vom Kind) läuft.

Training

Ian Dunbar schlägt ein Training in zwei Schritten vor, das ich sinnvoll finde. Im ersten Schritt lernt dein Welpe vorsichtig zuzuschnappen. Also so dosiert, das es nicht weh tut. Im zweiten Schritt lernt er gar nicht mehr in die Haut bzw. die Klamotten zu schnappen. Hierbei ist wichtig erst den ersten und dann den zweiten Schritt zu trainieren. Denn in Schreckmomenten, in denen dein Hund vielleicht reflexartig zuschnappt, wie z.B “du klemmst die Rute ausversehen in der Autotür ein” hat dein Hund gelernt vorsichtig zuzuschnappen. 

1. Schritt   Welpe lernt vorsichtig seine Zähne einzusetzen

Im ersten Schritt lernt dein Welpe vorsichtig seine Zähne einzusetzen. Dabei können wir uns das Verhalten der Wurfgeschwister untereinander abschauen. Im Alter von etwa 4 Wochen brechen bei Welpen die Eckzähne durch, die nagelspitz sind. Wenn jetzt die Welpen miteinander spielen und ein Welpe zu fest zuschnappt, jault das entsprechende Geschwisterchen auf und wendet sich etwas anderem zu. Der Welpe, der zu fest zugeschnappt hat bekommt durch das Aufjaulen sofort eine Rückmeldung über sein Verhalten und als Konsequenz ist das Spiel zu Ende. 

Wenn dein Welpe zu fest zuschnappt, kannst du nach dem “Aufjaulen”, dich

  • 3 Sekunden wegdrehen
  • Zügig aus dem Zimmer gehen
  • In einen hohen Karton steigen
  • Hinter ein Absperrgitter gehen
  • Deinen Welpen hinter ein Abstellgitter setzen

2 . Schritt  Welpe lernt seine Zähne gar nicht mehr an Haut oder Klamotten einzusetzen

Im nächsten Schritt bringst du deinem Welpen bei, gar nicht mehr in die Haut des Menschen bzw. Klamotten zu schnappen.

Vorgehen wie Schritt eins, aber jetzt ist der Mensch “hochsensibel”

Dein Welpe hat gelernt, vorsichtig mit dir umzugehen, seine Zähne also nur so einzusetzen, dass sie dir nicht weh tun. Wenn du jetzt mit deinem Welpen z.B. spielst und dein Welpe schnappt nun vorsichtig zu, reagierst du wie bei Schritt ein. Du jaulst auf und drehst dich weg. Dein Welpe könnte dann etwas denken – na jetzt ist mein Mensch ja wirklich hochsensibel – dann lasse ich es halt ganz mit dem Schnappen.

Situationen gezielt trainieren

Nimm dir einen Stift und einen Zettel und schreibe Situationen auf, in denen dein Welpe seine Zähne einsetzt.

Verhalten
Wenn ich ihn streichel möchte.
Wenn ich mit zu ihm auf den Boden setzte.
Wenn ich mit ihm Sp

Jetzt bringst du deinem Welpen Schritt für Schritt bei, in diesen Situationen nicht mehr zu beißen und an Stelle ein gewünschtes Alternativverhalten zu zeigen.

Verhalten Ziel
Wenn ich ihn streichel möchte. Liegt ruhig neben mir.
Wenn ich mit zu ihm auf den Boden setzte. Legt er seinen Kopf auf den Boden-
…. ….

 

An das Ziel arbeitest du die nun langsam heran.

1. Deine Hand geht langsam Richting Kopf solange dein Welpe sicher ist. (Dein Hund zeigt schon Unsicherheit, wenn er etwa seinen Kopf zur Seite dreht, oder er mit der Zunge über die Schnauze leckt….) Kurz bevor er unsicher wird, stoppt deine Hand und du gibst deinem Hund ein Leckerli.

2. Nach und nach nähert sich deine Hand immer mehr dem Hundekopf an. Sie wird zur Ankündigung für das Futter. Wichtig ist, dass dein Hund dabei sicher bleiben muss und keine Unsicherheit zeigt.

 

Das gewünschte Verhalten muss sich für deinen Welpen lohnen, denn Verhalten das sich lohnt, wird dein Hund öfters zeigen. Lohnen tut es sich, wenn dein Hund es toll findet, einfach ist dies bei vielen Hunden mit Leckerlis.

Warum “Strafe” nicht hilft

Wenn dein Hund zu fest zuschnappt, ängstige deinen Hund nicht durch irgendein Verhalten von dir. Denn das führt leicht zur Aufregung und Frustration, was wiederum zu mehr Schnappen führt. “Wenn man auf einen Topf mit kochendem Wasser einen Deckel macht, führt das irgendwann zum überkochen.” Genau so ist es bei unseren Hunden.

Stress im Alltag

Halte deinen Hund im Alltag aus allzu stressigen Situationen raus. Denn dann entwickelt dein Hund nicht die Strategie zu “beißen”. Z.B. bei einem Spaziergang kommt ein Hund schnell herbeigeeilt und du merkst, dass dein Hund unsicher wird. Hilf deinem Hund aus dieser Situation, indem du deinem Hund Schutz z.B. zwischen deinen Beinen gibst und den anderen Hundehalter bittest, seinen Hund anzuleinen. Parallel solltet du positive Hundebegegnungen mit deinem Hund üben.

IDabei alle möglichen Situationen, in denen dein Welpe schnappt trainieren und deinem Welpen beibringen, in vielen weiteren Situationen entspannt zu bleiben.

 

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Hundetraining mit Kopf und Herz!

Deine Corinna

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